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Ratgeber

Zeiterfassung per App im Handwerk: So führst du sie ein, ohne dass sie im Alltag scheitert

Zeiterfassung scheitert im Handwerk selten an der Technik. Sie scheitert, wenn der Monteur abends im Auto Stunden aus dem Gedächtnis aufschreibt oder wenn die App drei Klicks mehr braucht als der Zettel. Dieser Text zeigt, was eine App im Betrieb wirklich leisten muss, wie du sie einführst und woran du nach vier Wochen merkst, ob sie funktioniert.

  • 5 Min. Lesezeit
Auf dieser Seite8 Abschnitte
  1. 01Warum der Zettel nicht an den Mitarbeitern scheitert
  2. 02Was die App im Betrieb können muss
  3. 03Das rechtliche Minimum
  4. 04Standard-App oder eigene Lösung
  5. 05Ein Beispiel aus der Fertigung: Zeit als Nebenprodukt der Arbeit
  6. 06So führst du die App in vier Wochen ein
  7. 07Woran du nach vier Wochen merkst, ob es funktioniert
  8. 08Wenn du an der eigenen Lösung interessiert bist
01

Warum der Zettel nicht an den Mitarbeitern scheitert

Der klassische Ablauf kennt jeder: Stundenzettel auf dem Armaturenbrett, am Freitag abgegeben, am Montag im Büro abgetippt. Zwischen der Arbeit und der Zahl im System liegen Tage. In dieser Zeit wird geschätzt, gerundet und vergessen.

Das Problem ist nicht Nachlässigkeit. Wer acht Stunden auf der Baustelle gearbeitet hat, will danach nichts mehr rekonstruieren. Eine Erfassung funktioniert nur, wenn sie genau dort passiert, wo die Arbeit passiert, und in wenigen Sekunden.

02

Was die App im Betrieb können muss

Bevor du Anbieter vergleichst, schreib auf, welche Fragen die Erfassung beantworten soll. Aus der Praxis ergeben sich meist diese Anforderungen:

  1. 1Start und Stopp mit einem Tipp, auch ohne Netz. Auf Baustellen und in Kellern ist der Empfang oft weg. Die App muss lokal speichern und später abgleichen.
  2. 2Zuordnung zu einem Auftrag oder einer Kostenstelle. Nur Stunden ohne Zuordnung sagen dir nicht, welcher Auftrag sich gelohnt hat.
  3. 3Pausen, die sich ohne Nachdenken erfassen lassen, weil sie sonst zum Streitpunkt werden.
  4. 4Korrekturen mit Nachvollziehbarkeit: Wer hat was wann geändert? Ohne diese Spur vertraut dem Ergebnis später niemand.
  5. 5Eine Übergabe in das, was du ohnehin brauchst: Lohnabrechnung, Rechnung, Nachkalkulation. Erfassung, die du am Ende doch wieder abtippst, spart nichts.
03

Das rechtliche Minimum

Nach dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom September 2022 müssen Arbeitgeber die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter erfassen. Wie genau das zu geschehen hat, ist im Detail noch nicht abschließend geregelt, und ob du Papier oder App nutzt, schreibt dir niemand vor. Für die Planung heißt das: Die Erfassung muss vollständig und nachweisbar sein. Eine App erfüllt das leichter als ein Stapel Zettel.

Zwei Dinge klärst du vorher: Gibt es einen Betriebsrat, der bei technischer Überwachung mitbestimmt, und welche Daten dürfen gespeichert werden? Standortdaten brauchst du für die Zeiterfassung in aller Regel nicht. Verzichte darauf, es sei denn, es gibt einen klaren betrieblichen Grund. Das hier ist keine Rechtsberatung. Lass die Regelung für deinen Betrieb einmal von einer fachkundigen Stelle prüfen.

04

Standard-App oder eigene Lösung

Für einfache Fälle reicht eine fertige App. Wenn jeder Mitarbeiter einen Auftrag nach dem anderen abarbeitet, du Stunden nach Kunde auswertest und eine Standardschnittstelle zur Lohnabrechnung reicht, ist das der schnellste Weg.

Eine eigene Lösung lohnt sich, wenn die Zeiterfassung Teil eines größeren Ablaufs ist: Arbeitsschritte mit Zeitvorgaben, Werkzeuge, die zugeordnet werden müssen, Kostenstellen mit eigener Logik oder Daten, die ohnehin in einem anderen System landen sollen. Dann ist die Zeiterfassung kein Zusatzprogramm, sondern ein Teil der Auftragsabwicklung. Wie das aussehen kann, zeigen wir bei der App-Entwicklung.

05

Ein Beispiel aus der Fertigung: Zeit als Nebenprodukt der Arbeit

Fits Metall aus Barßel handelt mit Stahl, Edelstahl und Aluminium und bearbeitet die Teile in der eigenen Fertigung. Dort war unklar, welcher Auftrag an welcher Kostenstelle liegt, wie lange einzelne Arbeitsschritte dauern und wo sich welches Werkzeug befindet. Eine Standardlösung, die das zusammen abbildet, gab es nicht.

Entstanden ist ein System, in dem jeder Auftrag in Arbeitsschritte mit Zeitvorgaben zerlegt wird. Die Mitarbeiter melden sich an ihrer Kostenstelle an und arbeiten die Schritte ab. Die Zeit wird dabei automatisch festgehalten. Niemand führt nebenbei eine zweite Liste.

Die Zahlen aus dem Betrieb: Über 167.000 Arbeitsprozesse wurden seit der Einführung digital erfasst, das System ist seit mehr als sechs Jahren täglich im Einsatz. An Spitzentagen legen die Mitarbeiter bis zu 50 neue Aufträge an und arbeiten rund 100 Arbeitsschritte darüber ab. Jeder Schritt ist später nachvollziehbar: wer, wann, an welcher Kostenstelle, mit welchem Werkzeug. Die Details stehen in der Case Study Fits Metall.

Übertragbar ist das Prinzip, nicht die Zahl: Die Erfassung klappt, weil sie keine eigene Aufgabe ist. Wer den Arbeitsschritt abschließt, hat die Zeit erfasst. Ein Handwerksbetrieb mit Baustellen statt Werkhalle hat andere Orte, aber dieselbe Frage: Wie bekommst du die Zeit in das System, ohne dass jemand daran denken muss?

06

So führst du die App in vier Wochen ein

Der häufigste Fehler ist die Einführung für alle auf einmal. Besser läuft es in Stufen:

  1. 1Woche 1: Ziel festlegen. Welche zwei Fragen soll die Erfassung beantworten, zum Beispiel Stunden je Auftrag und Überstunden je Mitarbeiter? Alles andere kommt später.
  2. 2Woche 2: Mit drei bis fünf Leuten testen, darunter mindestens einer, der der Sache skeptisch gegenübersteht. Seine Einwände findest du sonst erst nach dem Start.
  3. 3Woche 3: Parallel laufen lassen. Zettel und App gleichzeitig, danach vergleichst du die Zahlen. Abweichungen zeigen dir, wo die App unklar ist.
  4. 4Woche 4: Alle umstellen, den Zettel abschaffen und eine feste Ansprechperson benennen. Wer bei Fragen drei Tage auf Antwort wartet, geht zum Zettel zurück.
07

Woran du nach vier Wochen merkst, ob es funktioniert

Schau dir drei Dinge an. Erstens: Wie viele Einträge kommen am selben Tag statt am Wochenende? Dieser Anteil sollte klar steigen. Zweitens: Wie oft musst du nachfragen oder korrigieren? Zählst du vorher und nachher, hast du eine eigene Zahl statt eines Gefühls. Drittens: Wie lange dauert die Abrechnung am Monatsende? Wenn die Antwort nicht kürzer wird, hängt die App noch an der falschen Stelle im Ablauf.

Wenn die Mitarbeiter nach vier Wochen von selbst sagen, dass die App schneller ist als der Zettel, hast du das Wichtigste geschafft. Alles Weitere, Auswertung nach Auftrag, Nachkalkulation, Anbindung an die Rechnung, baut darauf auf.

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Wenn du an der eigenen Lösung interessiert bist

Wenn deine Zeiterfassung Teil eines größeren Ablaufs ist und eine fertige App nicht passt, sprich mit uns über deinen Ablauf. Im kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch klären wir, ob sich eine eigene Lösung für deinen Betrieb lohnt oder ob eine Standard-App reicht. Das sagen wir dir auch dann, wenn es das Gegenteil von dem ist, was wir bauen.

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