Auf dieser Seite9 Abschnitte
- 01Was eine Auftragsverwaltung abdecken muss
- 02Wann eine Standardsoftware reicht
- 03Woran du merkst, dass Standard nicht mehr passt
- 04Ein Beispiel aus der Metallverarbeitung
- 05Vier Fragen für deine Entscheidung
- 06Was den Aufwand einer eigenen Lösung bestimmt
- 07So läuft der Umstieg ohne Stillstand
- 08Die E-Rechnung gleich mitdenken
- 09Was du diese Woche tun kannst
Was eine Auftragsverwaltung abdecken muss
Bevor du Programme vergleichst, schreib auf, welchen Weg ein Auftrag bei dir nimmt. Fast jeder Betrieb hat dieselben Stationen, aber mit eigenen Besonderheiten dazwischen. Genau diese Besonderheiten entscheiden später, ob eine Standardlösung passt.
Geh die Stationen einmal mit einem echten Auftrag aus der letzten Woche durch und notiere bei jeder, wo heute Papier, Excel oder ein Anruf im Spiel ist:
- 1Anfrage und Angebot: Wer nimmt die Anfrage an, wo landet sie, wie entsteht das Angebot?
- 2Auftrag anlegen: Welche Daten braucht ihr – Material, Maße, Termin, Kostenstelle?
- 3Planung: Wer entscheidet, welcher Auftrag wann auf welche Maschine oder zu welchem Team geht?
- 4Ausführung: Wie werden Arbeitsschritte und Zeiten erfasst, und von wem?
- 5Material und Werkzeug: Woher wisst ihr, was da ist und wo es liegt?
- 6Abschluss: Wie kommen die Daten in die Rechnung und in die Nachkalkulation?
Wann eine Standardsoftware reicht
Für viele Betriebe ist eine fertige Software die richtige Wahl. Sie ist sofort verfügbar, wird vom Hersteller gepflegt, und andere Betriebe haben die Kinderkrankheiten schon gefunden. Sie passt, wenn deine Stationen von oben weitgehend dem entsprechen, was die Programme deiner Branche vorsehen.
Ein guter Test: Nimm dir zwei Programme, die in deiner Branche verbreitet sind, und spiel deinen Beispielauftrag in der Testversion komplett durch. Wenn du dabei nirgends einen Umweg über Excel oder einen Zettel brauchst, kauf die Standardlösung. Eigene Software wäre dann teurer, ohne dir etwas zu bringen.
Woran du merkst, dass Standard nicht mehr passt
Schwierig wird es dort, wo dein Geschäft von der Branchenvorlage abweicht. Das sind keine Exoten-Fälle, sondern oft genau die Stellen, an denen dein Betrieb sein Geld verdient. Diese Anzeichen sprechen für eine individuelle Lösung:
- 1Neben der Software läuft weiterhin eine Excel-Liste, weil ein Teil der Daten nicht hineinpasst.
- 2Mitarbeiter in der Fertigung oder auf der Baustelle tragen nichts ein, weil die Bedienung für den Büroarbeitsplatz gebaut ist.
- 3Du brauchst Informationen, die die Software nicht auswerten kann, etwa die echte Dauer eines Arbeitsschritts pro Kostenstelle.
- 4Zwei oder drei Programme müssen miteinander reden, und das passiert heute durch Abtippen.
- 5Jede Anpassung beim Hersteller dauert Monate oder wird gar nicht umgesetzt.
Ein Beispiel aus der Metallverarbeitung
Fits Metall aus Barßel im Landkreis Cloppenburg handelt mit Stahl, Edelstahl und Aluminium und bearbeitet die Teile in der eigenen Fertigung. Täglich laufen viele kleine Aufträge mit individuellen Maßen und Materialien durch die Halle. Mit wachsendem Volumen fehlte der Überblick: Welcher Auftrag liegt an welcher Kostenstelle, wie lange dauern die einzelnen Schritte, wo ist welches Werkzeug?
Eine Standardlösung, die Aufträge, Zeiten und Werkzeuge in einem System abbildet, gab es für diese Abläufe nicht. Entstanden ist deshalb eine eigene Auftragsverwaltung: Aufträge werden mit Material, Profilgröße und Kostenstelle angelegt und in Arbeitsschritte zerlegt. Mitarbeiter melden sich direkt an ihrer Kostenstelle an und arbeiten die Schritte ab, jede Tätigkeit wird dabei dokumentiert. Ein digitales Werkzeuglager zeigt, wo jedes Werkzeug liegt.
Das System ist seit über sechs Jahren täglich im Einsatz und wurde in dieser Zeit immer wieder erweitert. Über 167.000 Arbeitsprozesse wurden darüber erfasst, an Spitzentagen legen die Mitarbeiter bis zu 50 neue Aufträge an. Die Details stehen in der Case Study Fits Metall.
Was du daraus mitnimmst: Gebaut wurde nicht alles auf einmal. Am Anfang stand die Auftragsverwaltung, Mitarbeiterportal und Werkzeuglager kamen dazu, als klar war, dass das Team mit dem System arbeitet.
Vier Fragen für deine Entscheidung
Beantworte diese Fragen schriftlich. Wenn du bei mindestens zwei davon mit Ja antwortest, lohnt es sich, eine individuelle Lösung zumindest durchzurechnen:
- 1Gibt es einen Arbeitsschritt, den kein Programm deiner Branche so abbildet, wie ihr arbeitet?
- 2Arbeiten mehr als zwei Personen täglich mit einer Excel-Liste, die neben der Software geführt wird?
- 3Müssen Daten zwischen Programmen von Hand übertragen werden, etwa vom Shop in die Auftragsverwaltung?
- 4Willst du Auswertungen, die dir heute niemand liefern kann, etwa Zeiten pro Arbeitsschritt oder Kostenstelle?
Was den Aufwand einer eigenen Lösung bestimmt
Einen Fixpreis für „eine Auftragsverwaltung“ gibt es nicht, weil der Umfang von Betrieb zu Betrieb verschieden ist. Den Aufwand bestimmen vor allem drei Dinge: wie viele Abläufe die erste Version abbilden soll, wie viele Programme angebunden werden und wie viele unterschiedliche Rollen es gibt, etwa Büro, Fertigung und Außendienst.
Der wichtigste Hebel ist ein kleiner erster Schritt. Statt einer Komplettlösung baust du zuerst den Ablauf, der am meisten Zeit kostet. Das Team arbeitet früh damit, und jede Erweiterung entsteht aus echter Nutzung statt aus einer Wunschliste.
So läuft der Umstieg ohne Stillstand
Egal wofür du dich entscheidest: Der Umstieg scheitert selten an der Software, sondern an der Einführung. Drei Regeln helfen.
Erstens: Übernimm nur die offenen Aufträge ins neue System, nicht die komplette Historie. Alte Aufträge bleiben im bisherigen System lesbar. Das spart Wochen an Datenübernahme. Zweitens: Bestimm zwei oder drei Mitarbeiter, die das System zuerst nutzen und Rückmeldung geben, bevor alle umsteigen – am besten jemanden aus der Fertigung, nicht nur aus dem Büro. Drittens: Lass altes und neues System höchstens zwei Wochen parallel laufen. Länger führt dazu, dass niemand mehr weiß, welche Liste gilt.
Die E-Rechnung gleich mitdenken
Unternehmen in Deutschland müssen im B2B seit dem 1. Januar 2025 elektronische Rechnungen empfangen können, die Pflicht zum Versand greift ab 2027 gestaffelt nach Umsatz. Wenn du deine Auftragsabwicklung ohnehin neu aufstellst, gehört diese Anforderung direkt in die Planung, egal ob Standard oder individuell. Frag bei jeder Lösung nach, wie sie E-Rechnungen erzeugt und an deine Buchhaltung übergibt.
Was du diese Woche tun kannst
Spiel einen echten Auftrag Station für Station durch und markiere jede Stelle, an der Papier oder Excel im Spiel ist. Teste zwei Standardprogramme mit genau diesem Auftrag. Beantworte die vier Fragen. Danach weißt du, ob du kaufst oder baust.
Wenn du das Ergebnis mit jemandem durchgehen willst: Im kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch schauen wir uns deine markierten Stellen an und sagen dir ehrlich, ob eine Standardlösung reicht oder ob sich individuelle Software lohnt.